Standing still

Ich bin jetzt seit über 5 Wochen zu Hause. Und es macht mich wahnsinnig.
Ich verstehe nicht, dass es für manche Jugendliche heutzutage erstrebenswert ist, nach der 10. Klasse abzugehen und zu "hartzen". Dass sie der Meinung wären, es sei toll, zu Hause zu gammeln und dafür Geld zu bekommen. Für mich ist es nichts. Ich warte schon zu lange darauf, dass es auf unserer Baustelle endlich weiter geht. Ich fühle mich unnütz, trage kaum etwas zum Einkommen bei und jeder weitere Tag ist eine Qual.
Und es macht mich traurig, daran zu denken, dass ich so viele Jahre studiert habe, nur um immer wieder zu Hause zu bleiben. Von einer Firma zur nächsten zu tingeln um wenigstens ein paar Monate am Stück gearbeitet zu haben. Und das für einen Lohn, der nichtmal ansatzweise einem Master-Abschluss entspricht.
Ich hatte nun auch mehr als genug Zeit, um mir über meine Zukunft gedanken zu machen. Ich bin erst seit 1,5 Jahren in meinem Beruf beschäftigt und dieses ständige Hin und Her erschöpft mich. Sobald unsere Baustelle wieder läuft, bin ich wieder für 3 bis 4 Wochen am Arbeiten, aber dann ist Ende. Vielleicht hat meine aktuelle Firma danach auch etwas für mich zu tun, vielleicht auch nicht. Von meiner alten Firma zum Beispiel höre ich gar nicht. Also was tun? Bei anderen bewerben, sicher. Nur ist die Auswahl sehr bescheiden. Viele zahlen nur Hungerlöhne und das auch nicht pünktlich. Manchmal gar nicht. Möchte ich das für den Rest meines Lebens so machen? Immer diese Unbeständigkeit und Unsicherheit in meinem Leben haben? Sollte ich einmal Kinder haben, werde ich eh nicht mehr eingestellt. Wenn das Kind mal krank wird, dann bleibt Mutti zu Hause.... Das geht in meinem Beruf nicht. Da fährt man den lieben langen Tag durch Brandenburg, hat eine leitende Position. Mit einem Kind ist man ein Risiko. Also lassen die Firmen lieber die Finger von mir.
Deshalb habe ich mit Ende 20 den Entschluss gefasst, es doch mit einer Ausbildung zu versuchen. Reichlich spät, die meisten Bewerbungsfristen sind schon längst abgelaufen. Mein Männe unterstützt mich in dieser Entscheidung. Sicher, wir haben weniger Geld zur Verfügung, aber nicht so wenig wie im Moment. Und auch der Kinderwunsch verschiebt sich um einige Jahre nach hinten. Aber auf Dauer gesehen scheint es das Beste, sich einen Job zu suchen, der auch Sicherheit bieten kann. In dem es nicht falsch ist, Kinder zu haben. Meine beste Freundin hingegen wirkte etwas angespannt bei dem Thema. Schlug mir Volontariate vor, statt einer schnöden Ausbildung. Ich verstehe ihre Bedenken. Wie kann man mit einem abgeschlossenen Studium eine Ausbildung machen wollen? Ich denke, wenn man nicht selber in der Situation steckt, kann man das nicht beurteilen. Ich habe etwas studiert, was nur wenig nachgefragt und schlecht bezahlt wird. Und das zerrt unglaublich an den Nerven. Vielleicht ist es auch nur eine Phase, vielleicht geht es nach den 4 Wochen fröhlich zum nächsten Projekt. Aber spätestens im Winter bin ich wieder zu Hause, weil es keine Baustellen gibt, die man betreuen kann. Und dann werde ich mich wieder fragen, wie lange es so noch weiter gehen kann. Mehr als versuchen kann ich es nicht. Möglicherweise werde ich gar nicht in Betracht gezogen. Mit einem Uni-Abschluss könnte ich zu überqualifiziert sein. Oder ich stelle mich beim Vorstellungsgespräch blöd an. Das kann ich jetzt noch nicht sagen...
Ja ich weiß, persönliches Blabla kam hier bisher nie gut an. Aber ich wollte meine ganzen Gedanken auch einfach mal ordnen und aus meinem Kopf raus haben. Habt ihr schon einmal in einer solchen Situation gesteckt? Habt ihr euch getraut, euer Leben über den Haufen zu werfen und noch einmal neu zu beginnen? Oder habt ihr euch durchgekämpft und seid dabei geblieben?

Kommentare:

  1. Ich habe mich nie getraut, mein Leben vollkommen über den Haufen zu werfen.
    Dabei wäre es zu einem Zeitpunkt mal wirklich gut gewesen und viele Dinge wären anders gelaufen.
    Rückblickend war es sein Fehler es nicht zu tun und heute würde ich es anders machen.
    Bei mir ist dann zum Glück alles gut ausgegangen, aber nur weil ich einfach unverschämtes Glück hatte.
    Davon kann man nicht ausgehen. Lieber sein Schicksal selber in die Hand nehmen.

    Ich wünsche Dir alles Gute, Dana. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du den besten Weg für Dich findest.

    Liebe Grüße
    Sonja

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    1. Liebe Sonja, danke für deinen Kommentar.
      Ich befürchte, mein unverschämtes Glück hatte ich schon, als ich direkt nach meinem freiwilligen Jahr in meiner alten Firma anfangen konnte. Und ebensolches Glück hatte ich, als ich zum November gekündigt wurde und direkt in einer anderen Firma untergekommen bin, um den Winter zu überbrücken.
      Ist ist schwer zu sagen, was besser ist. Durchhalten oder die Richtung ändern.

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